Patrizia Casagranda

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Ihre Kompositionen haben eine faszinierende Tiefenwirkung. Aus der Nähe betrachtet, lässt sich die Wirkung mit den Arbeiten der Pointilisten vergleichen: das Motiv wirkt wie ein abstraktes, aus Rasterpunkten bestehendes Gemälde, dessen Bildinhalt sich erst auf die Distanz erschließt. Das Flachrelief, das durch den vielfachen Farbauftrag entstanden ist, tritt dann zugunsten des Motivs in den Hintergrund, wohingegen es bei Betrachtung in Nahsicht dominiert. Das Geheimnis der Leuchtkraft der Arbeiten der Künstlerin liegt sicher auch in den von ihr verwendeten Pigmenten. Sie habe einen Pigmentladen aus dem 17. Jahrhundert in Den Haag aufgekauft, so Casagranda, und sei immer wieder von der Leuchtkraft dieser Farben beeindruckt. „Meine Farbigkeit hat sich dadurch seit etwa ein- bis eineinhalb Jahren geändert.“ Dabei hält sie an ihrer Arbeitsweise fest, an mehreren Werken gleichzeitig zu arbeiten, um spontan auf den Zufall reagieren zu können. Mal ist es ein Blick, der sie inspiriert, eine Werbung, aber auch der Gedanke des Humanismus, von Peace and Love, den sie in ihre Arbeiten hineinträgt. Sie sei stetig in Bewegung und entwickle unermüdlich, umschrieb die gebürtige Stuttgarterin einmal ihren Schaffensprozess.

2021

2021

Golden Empowerment 100x80 cm

Dazu passt auch, dass ihr die ständige Weiterentwicklung sehr wichtig ist – vielleicht macht das, trotz immer wieder neuer Themen – ihre Arbeiten so lebendig. Gerade mit der Belief- und auch mit der überwiegend 2020/21 entstandenen Diversity-Serie will sie eine allgemeingültige Botschaft transportieren: Der Gedanke des Humanismus, dem die Idee gleicher Werte ebenso zugrunde liegt, wie dies bei den Weltreligionen letztlich der Fall ist. „Religion wurde immer wieder von Diktatoren dazu instrumentalisiert, ihre Bedürfnisse zu legitimieren. Das ist Schwachsinn! Alle Religionen haben dieselben Werte“, wird sie deutlich. Daraus lässt sich aber auch schlussfolgern, dass ihre Arbeiten durchaus eine politische Botschaft haben; sowohl ihre Portraits der Müllmädchen, die in ihrer Schönheit und dem unerschütterlichen Optimismus beeindrucken, den sie transportieren, als auch die Werke der Diversity-Serie, die Wärme und Stärke ausstrahlen, und ihre jüngsten Arbeiten, die inspiriert sind vom gedeckten Tisch, sich davon ausgehend aber mit dem Konsum unserer Zeit auseinandersetzen. Wenn alle Menschen gleich sind, dann sollten wir auch den Müllmädchen Respekt zollen, die den Wohlstandsmüll des Westens einer Endverwertung zuführen, und unseren Konsum im Allgemeinen hinterfragen, der mitverantwortlich für die Probleme unserer Zeit ist –so könnte man ihre künstlerische Botschaft auf den Punkt bringen.

Dr. Prof. Chris Gerbing Freie Kuratorin

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